Gleichbehandlung Quelle: Fotolia/Nito

Veröffentlicht am 8. März 2017 | von Barbara Sieberth

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Salzburger Landtag im Zeichen des Frauentags – Because it’s 2017

Heute ist Internationaler Frauentag. Für mich eine gute Gelegenheit, mal explizit einen Blick darauf zu werfen, wie sich die Beschlüsse des Salzburger Landtags auf uns Frauen auswirken.

Die ersten drei Punkte der morgigen Tagesordnung behandeln das neue Gesetz für WettunternehmerInnen, das verschärft und damit der Schutz für Spielende und Wettende erhöht wurde.

SPIELSUCHT: Frauen seltener, aber schneller abhängig

Fakt ist, Frauen spielen deutlich weniger als Männer, und sie sind auch seltener spielsüchtig. Wenn sie allerdings süchtig werden, dann in einer deutlich schneller als Männer. 

Ein weiterer Aspekt: Mehr als die Hälfte aller spielsüchtigen Männer leben in einer Ehe oder Beziehung. Dadurch sind häufig Frauen mit der Spielsucht ihres Partners konfroniert und den existenziellen Belastungen ausgesetzt, wenn alles Geld ins Spielen und Wetten fließ und hohe Verschuldungen entstehen.

Ein höherer SpielerInnenschutz wirkt also auch auf das Familienleben der mitbetroffenen Frauen und Kinder.

FLEXIBLE ARBEITSZEITEN: Frauen müssen sowieso flexibel sein! 

Bei Punkt 4 geht es in einem Antrag der ÖVP darum, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit ist derzeit sehr ungleich zwischen Frauen und Männern aufgeteilt. Frauen leisten zwei Drittel ihrer gesamten Arbeit unbezahlt. Das heißt: Sie werden nur für ein Drittel ihrer Arbeit entlohnt. Bei Männern ist es umgekehrt: Sie werden für den Großteil ihrer Arbeit bezahlt.

Zahlreiche Studien und auch der aktuelle Einkommensbericht zeigen, dass Frauen zu zwei Drittel in „atypischen“ Arbeitsverhältnissen arbeiten. Übersetzt heißt das, sie passen ihre Arbeitszeit an das Familienleben an. Sie arbeiten Teilzeit, machen Nachtdienste, suchen sich weniger verantwortungsvolle Jobs, sind diejenigen, die bei den Kindern bleiben, wenn sie krank sind.

Es gibt auch Studien, die zeigen, dass die Mehrarbeit aufgrund flexibler Arbeitszeiten bei Männern zu einem höheren Gehalt führen, bei Frauen aber nicht.

Mein Fazit: Frauen sind schon sehr flexibel, und jegliche Flexibilisierung im Arbeitsrecht muss im Blick haben, dass das auch frauenfreundlich zugeht und sich der hohe Druck in der Arbeitswelt nicht noch mehr erhöht.

ENERGIE: Alleinlebende Frauen am meisten von Energiearmut betroffen 

Beim fünften Tagesordnungspunkt, den wir am Frauentag

im Landtag behandeln, geht es um einen Antrag der SPÖ, mit dem diese die thermische Sanierung von Wohngebäuden und öffentlichen Gebäuden weiter forcieren will.

Ganz abgesehen davon, dass Energiesparen immer gut für die Umwelt ist, gibt es hier auch einen ganz starken sozialen Aspekt: Schätzungsweise sind österreichweit 117.000 Menschen von Energiearmut betroffen. Das bedeutet, dass es diesen Menschen besonders schwer fällt, die steigenden Energiekosten bezahlen zu können. Eine Grazer Studie hat herausgefunden, dass es hier vor allem die alleinlebendes Frauen sind, die sich Wärme und Strom nicht in dem Ausmaß leisten können, wie es notwendig wäre.

GESUNDHEIT: Männer erkranken häufiger an Mundhöhlenkrebs  

Bei Punkt 6 geht es in einem Antrag der Grünen darum, dass die Krankenkassen den Zahnersatz für die Menschen übernehmen sollen, die aufgrund einer Krebstherapie einen Zahnverlust erlitten haben. Die Art des Mundhöhlenkrebs, um die es hier vor allem geht, betrifft zuerst mal Männer doppelt so häufig wie Frauen, allerdings steigt die Zahl bei den Frauen leider auch, was auch mit dem gestiegenen Nikotinkonsum bei Frauen erklärt wird.

Zahnersatz selbst ist wiederum eine teure Angelegenheit, die sich Menschen mit mehr Einkommen leichter leisten können. Was wiederum Frauen ins Hintertreffen führt, da sie durch die Bank um ein Drittel weniger verdienen.

FLUCHT UND ASYL: 25 Prozent der Flüchtlinge in Salzburg sind weiblich 

Punkt 7 betrifft einen Antrag der FPS, der fordert, dass straffällig gewordene Asylwerber und Asylwerber mit negativem Status schnell abgeschoben werden können und alle anderen in Schubhaft kommen sollen. Wie betrifft das Frauen? In Salzburg sind rund 25% der Flüchtlinge weiblich.

), sie sind meist gemeinsam mit ihren Kindern auf der Flucht. Wenn Familien einen endgültig negativen Bescheid haben müssen sie unser Land verlassen. Das besagen unsere Asylgesetze. Dass Familien vor der Rückkehr in ihre Heimat in Haft kommen sollen, ist für mich unerträglich.

MOBILITÄT: Frauen sind umweltfreundlicher unterwegs 

Die Punkte 8 und 9 betreffen die Öffi-Tarife für SeniorInnen.

Das Mobilitätsverhalten von Frauen ist gut erforscht: Der Anteil der Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn nutzen, ist höher als der der Männer. Gerade gestern hat der VCÖ darauf aufmerksam gemacht, dass Salzburgs Frauen im Schnitt 44 Prozent ihrer Alltagswege autofrei zurücklegen, Männer hingegen nur 37 Prozent, macht der VCÖ anlässlich des morgigen Frauentages aufmerksam. Die größten Unterschiede gibt es beim zu Fuß gehen und beim Autofahren. Der VCÖ fordert einen stärkeren Ausbau des umweltfreundlichen Mobilitätsangebots. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, ist es wichtig, dass nicht nur das Mobilitätsverhalten der Frauen, sondern auch jenes der Männer klimaverträglicher wird.

Somit werden aktuell mehr Frauen von der Vergünstigung profitieren oder möglicherweise kann es ein Anreiz für die Männer sein, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Da Frauen generell weniger verdienen als Männer, wirkt sich ein günstiges Ticket auf sie besonders positiv aus.

(Punkt 10 betrifft einen ÖVP Antrag zum Leichenbestattungsgesetz – da verzichte ich auf eine weiterführende Betrachtung)

AUSBILDUNG: Mädchen fast nur in drei -schlecht entlohnten- Lehrberufen aktiv

Der nächste Punkt auf unserer Tagesordnung behandelt einen Antrag der SPÖ zur Schaffung eines Ausbildungsfonds für Lehrlinge.

Wie geht es den Mädchen in der Lehre?

In Österreich gibt es rund 250 Lehrberufe. Nach wie vor entscheiden sich aber 70 Prozent der Mädchen im Rahmen ihrer Berufswahl für diejenigen zehn Lehrberufe, die als „typisch weiblich“ gelten, nämlich Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin. Mädchen wählen oft Berufe mit niedrigem Lohnniveau und wenig Aufstiegschancen.

Ein Lehrlingsfonds, der Betriebe dabei unterstützen soll, Lehrlinge auszubilden, könnte auf diese Situation reagieren und beispielsweise die Höhe der Unterstützung daran koppeln, ob die Parität bei den Lehrlingen im Haus erreicht wird oder sonstige Maßnahmen getroffen werden, um diese herzustellen.

LANDWIRTSCHAFT: Frauen sind auch hier doppelt belastet

Bei diesem Punkt geht es um Ernährungssouveränitat. Das Konzept beruht auf dem Recht auf leistbare und gesunde, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht produzierte Nahrung für alle Menschen. Nahrung wird nicht als Ware aus dem Interesse produziert und verteilt, um Gewinn zu machen, sondern um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Der Antrag fordert eine Stärkung der Ernährungssourveränität in Salzburg.

Wer wird davon profitieren? Eigentlich alle, die im Bundesland wohnen und regional und ökologisch produzierte Lebensmittel genießen wollen. Ebenso die Landwirte/wirtinnen, die Rahmenbedingung vorfinden müssen, die sie sozial gerecht produzieren lassen können müssen.

Wer sind nun die Landwirtinnen in Österreich? Knapp die Hälfte der Aktiven in der Landwirtschaft sind Frauen, die Betriebsleitung liegt zu ca 37 Prozent in weiblicher Hand, im Europavergleich ein sehr hoher Wert. Allerdings übernehmen Frauen weiterhin einen Großteil der Haushalts- und Fürsorgearbeit, wie sich aus dieser Studie herauslesen lässt.

WOHNEN: Frauenarmut für zu prekären Wohnverhältnissen

Dieser Antrag zielt darauf auf, die Kosten für Wohnen zu senken. Unabhängig davon, ob die genannten Maßnahmen im Antrag dazu tauglich sind, sind die Wohnkosten tatsächlich eine große Last für sehr viele Menschen. Für Frauen und Männer gleichermaßen? Nein, Frauen sind stärker belastet. Aufgrund der niedrigeren Einkommen von Frauen sind diese häufiger von Armut gefährdet. Dementsprechend landen Frauen, insbesondere alleinstehende/ bzw. alleinerziehende, häufiger in prekären Wohnverhältnissen.

Frauentag: Because it’s 2017!

Egal ob Glücksspiel, prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse, Flucht oder Ernährung – ein stärkerer Blick auf die unterschiedlichen Auswirkungen von Politik auf die Geschlechter lohnt sich. Ungleichheiten sind in vielen Bereichen und vielen Ebenen nach wie vor gegeben. Das müssen wir ändern – #Becauseits2017!

 

Foto: Fotolia/nito

Barbara Sieberth

Über Barbara Sieberth

Landtagsabgeordnete - Sprecherin für Europa, Familie und Kinderbetreuung, Gleichbehandlung und Frauen, Justiz, Medien, Menschenrechte, Integration, Verwaltungsreform


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