Allgemein Kimbie Konsumverzicht

Veröffentlicht am 27. Oktober 2016 | von Kimbie Humer-Vogl

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Ich geh‘ in Kleiderkarenz

Warum ich jetzt sechs Monate keine Kleidung kaufen möchte und wie ich das anstellen will.

Mein Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung bereitet mir schon länger Unbehagen. Ich lege Wert auf mein Aussehen, kleide mich gerne schick (zumindest nach meinen Vorstellungen) und es bereitet mir Freude, Kleidung und Accessoires abzustimmen. Ich fühle mich in neuen Klamotten wohl und lasse mich entsprechend häufig von Schaufenstern verführen. Und das, obwohl ich weiß, dass ich dabei ein Wirtschaftssystem unterstütze, das alles andere als unterstützenwert ist.

Schlussendlich war es aber eine Szene aus einem Kinderfilm, die sich tief in mein Gewissen gebohrt hat und mich geradezu nötigt mein Konsumverhalten zu ändern.

Wie Hexe Lilli mich zum Umdenken brachte

Hexe Lilli hatte sich wieder Mal verhext und plötzlich stand ein „Indianer“ in ihrem Kinderzimmer. Er schaut sich verwundert in ihrem Zimmer um, öffnet einen Kleiderkasten und betrachtet andächtig den Inhalt. Schließlich sagt er beeindruckt: „Wie viel Kleidung Du hast! Das ist sehr bewundernswert. Es ist sehr viel Arbeit Kleidungsstücke herzustellen.“

Es ist sehr viel Arbeit Kleidungsstücke herzustellen

Diese drei kurzen Sätze haben mich elektrisiert. Denn er hat ja so recht. Jede/jeder, die/der sich schon mal im Nähen von Kleidungsstücken erprobt hat, weiß, dass es unmöglich ist, eine Bluse um 30 Euro oder eine Hose um 50 Euro zu nähen. Noch dazu, wo ja auch der Stoff erst produziert und eingefärbt werden muss. Das geht nur, wenn Menschen und Ökologie gleichermaßen ausgebeutet werden.  Und dann kommen noch die Transportkosten mit ihren negativen Auswirkungen auf die Umwelt dazu! Denn in Österreich wird so gut wie nichts produziert. Das wissen wir auch alle.

Zwar hab ich mich in den letzten Jahren immer mehr dafür interessiert, welche Firmen wo produzieren und welche Firmen sich überprüfen lassen. Conclusio: Im „normalen“ Handel kann man mit gutem Gewissen so gut wie nichts kaufen. Man muss schon dankbar sein, wenn sich die Kleidungs-Ketten, bei denen ich so gerne einkaufe, überhaupt testen lassen. Die Testergebnisse selbst sind dann alles andere als ermunternd.

Zuviel Farben und Jute eben.

Ich hab auch schon mal das eine oder andere Stück in einem EZA-Markt erworben. Für die Accessoires bin ich durchaus zu haben, aber die Kleidung: leider nicht ganz mein Stil. Ich war auch auf der wearfair-Messe in Linz. Aber auch das, was ich dort zu sehen bekam, hat mir nicht sonderlich zugesagt: Zuviel Farbe und Jute.

Shopping „dahoam“

Also bin ich immer wieder bei den herkömmlichen Konsumgewohnheiten gelandet und hab mich damit gerühmt zumindest regional, also in der Halleiner Altstadt, einzukaufen. Denn die Innenstadt soll doch möglichst belebt bleiben, das rechtfertigt dann schon wieder alle anderen Sünden. Tut es aber leider nicht, fürchte ich. Und entschuldige mich gleichzeitig beim Regionalhandel.

So ist mir klar geworden: ich will einen eigenen Weg gehen. Aber wie, das weiß ich noch nicht ganz genau. Ich muss wohl erst mit meinem neuen Konsumverhalten „schwanger gehen“. Also hab ich mir eine Konsumkarenz verschrieben. Zwar nur sechs Monate. Frau will ja die Latte nicht unerreichbar legen, auch sechs Monate werden eine große Herausforderung, so gut kenne ich mich.

Sechs Monate Fastenzeit

Wie schaut meine Kleidungskarenz aus? Ganz einfach: Von November bis Mai wird nix zum Anziehen gekauft. Keine Bluse, keine Schuhe, kein Schal, kein Mantel. Gleichzeitig möchte ich aber offen sein für andere Wege des Konsums: Kleidertauschparties, regional produzierte Nischenprodukte, der Griff zur guten alten Nähmaschine, die Schneiderin/der Schneider. Ich bin sicher, dass es möglich ist, bewusster einzukaufen als ich das bisher gemacht habe!

Vorerst heißt es aber sechs Monate Fastenzeit! Vielleicht stellt sich ja in dieser Zeit heraus, dass ich Kleidung immer völlig überbewertet habe? Ich werde berichten!

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion


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Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion



One Response to Ich geh‘ in Kleiderkarenz

  1. Angela Lindner Angela Lindner says:

    Gute Idee! Ich mache mit! Ich habe auch schon einige schöne Kleidungsstücke von Kleidertauschparties. 😉

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