Umwelt & Natur hpp3z - Fotolia

Veröffentlicht am 9. Dezember 2015 | von Kimbie Humer-Vogl

1

Was der Klimagipfel in Paris mit Skitourismus zu tun hat

Die Zeiten des Wachstums sind vorbei, wir brauchen ein neues Wirtschaften –  auch im vom Skitourismus abhängigen Bundesland Salzburg. 

Vor zwei Wochen hatten wir erstmals in diesem „Winter“  Minusgrade und endlich die Jubelmeldung: Die Pisten können beschneit werden.  Aufatmen in der Tourismusbranche – „Ski-Opening“ steht nichts mehr im Wege! Endlich gibt es ungetrübtes Skivergnügen: kilometerlange Pisten, beheizte Sessellifte und „After-Skiparties“ inklusive.  Zumindest für diejenigen, die sich die Tageskarten leisten können, denn das Vergnügen „Skitourismus“ kostet eben, das kann man drehen und wenden wie man mag!

Trotz zweier Gehälter, eins davon ein saftiges Abgeordnetengehalt, muss selbst ich mir sehr gut überlegen, ob ein Skitag für meine sechsköpfige Familie wirklich drinnen ist. Eigentlich komisch, mein Vater war Alleinverdiener, trotzdem war es damals möglich, jedes Wochenende auf der Skipiste zu verbringen…aber wie gesagt, heutzutage ist Luxus gefragt und der hat eben seinen Preis.

Aber noch viel wesentlicher ist die Frage: Ist uns eigentlich bewusst, wie hoch der Preis des Skifahrens wirklich ist?  Wir schreiben heute den 6. Dezember 2015, die Kinder spielen in T-Shirts im Garten. Zumindest die kleineren Skigebiete hätten sich das Beschneien sparen können. Die Halleiner Hauspiste am Zinkenkogel erinnert jedenfalls an einen Schneemann, nur dass die Farben nicht ganz richtig sind: Der Berg erstrahlt im satten Grün, kreisförmige weiße Schneeanhäufungen, dort wo die Beschneiungsanlagen platziert sind, erinnern an die Knöpfe des Schneemannkleides…

Klimawandel regt nicht auf

Zeitgleich tagen KlimaexpertInnen aus aller Welt in Paris: Sie kämpfen um das bescheidene Ziel, die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf 2 Grad einzubremsen. Kinderspiel wird das keines. Denn ohne Gegenmaßnahmen erwarten wir eine Erderwärmung von bis zu 4,8 Grad. Dass wir dann in den Bergen nicht mehr Skifahren können, ist dann wohl unser geringstes Problem.

Denn der Klimawandel führt nicht nur zu landschaftlichen Veränderungen. Die zunehmende Luftverschmutzung ist z.B. das größte einzelne Gesundheitsrisiko in Europa. Laut Bericht der Europäischen Umweltagentur trägt Luftverschmutzung zu Herzkrankheiten, Atemerkrankungen und Krebs bei.

Wie kommt es dann, dass der Klimawandel scheinbar niemanden so richtig aufregt? Eine am Wochenende von den Salzburger Nachrichten präsentierte Studie zeigt, dass sich ÖsterreicherInnen deutlich mehr Sorgen um den Anstieg der Lebenserhaltungskosten (67,2%), die Verschlechterung der Wirtschaftslage (63,9%) und die Kürzung der staatlichen Pensionen (53,6%) machen. Sorgen wegen des Klimawandels machen sich  nur 42,8% der ÖstereicherInnen, also nicht einmal jede/r Zweite. Der Abschied von unserem  aktuellen sehr hohen Lebensniveau scheint also besonders bedrohlich zu sein.

„Der Klimawandel ist wie ein Asteroid-Einschlag in Super-Zeitlupe. Wir verdrängen ihn wegen seiner Langsamkeit.“

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hat für dieses Phänomen der relativen Furchtlosigkeit mit dem viele Menschen dem Klimawandel ins Auge blicken, eine Erklärung parat: „Der Klimawandel ist wie ein Asteroid-Einschlag in Super-Zeitlupe. Wir verdrängen ihn wegen seiner Langsamkeit.“ Und tatsächlich finden wir immer wieder Indizien, dass es sich bei der prognostizierten Erderwärmung eventuell doch nur um einen Irrtum handeln könnte: Dafür muss mal ein regnerischer Sommer herhalten, ein andermal ein schneereicher Winter und wie wir wissen, gibt es sogar eine politische Partei in Österreich, die eine potentielle Klimaerwärmung öffentlich negiert.

Der Preis des Skivergnügens

Solange der Wintertourismus boomt, ist die Welt zumindest in den Tourismusregionen noch in Ordnung. Wen interessieren da schon die massiven Schäden für Fauna und Flora durch den Kunstschnee oder die Folgen für Landschaft und Ökosystem durch die für die Beschneiungs-Anlagen notwendiges Wasser, Luft und Stromleitungen. Dass allein die Grundbeschneiung eines Hektars Skipiste das Siebenfache des durchschnittlichen Jahresbedarfs eines österreichischen Haushaltes an Strom und das 21fache an Wasser verbraucht, darüber wird gar nicht erst geredet! In anderen Worten: In der Absicht die Auswirkungen des Klimawandels zu entkräften, tragen wir in Wirklichkeit nur dazu bei, den Klimawandel noch mehr zu forcieren.

Kommen wir also zurück zur Ausgangsfrage: Wie hoch ist der Preis des Winterskivergnügens angesichts des drohenden Klimawandels wirklich? Ich fürchte, er ist – gemeinsam mit all den anderen Sünden, die unser westliches Wirtschaftssystem so begeht – zu hoch. Und ich fürchte, wir werden unabhängig vom Ausgang des Klimagipfels in Paris auch im Wintertourismus der Wahrheit ins Gesicht blicken müssen: Die Zeiten des Wachstums sind vorbei, wir brauchen ein neues Wirtschaften –  auch im vom Skitourismus abhängigen Bundesland Salzburg!

Die Zeiten des Wachstums sind vorbei, wir brauchen ein neues Wirtschaften –  auch im vom Skitourismus abhängigen Bundesland Salzburg!

Schluss mit Erdbeeren im Dezember

Heißt das, es kommen düstere Zeiten auf uns zu? Nun, das zumindest sollte uns allen bewusst sein: ohne Abstriche wird es auf die Dauer nicht gehen. Wir werden unseren Lebensstandard, so wie wir ihn jetzt kennen, auf Dauer nicht halten können. Vielleicht wird das Zweitauto nicht mehr drin sein, möglicherweise wird es im Dezember keine Erdbeeren mehr geben und vielleicht werden wir nicht jedes Jahr einen neuen Wintermantel kaufen können. Aber wer sagt denn, dass weniger nicht manchmal auch mehr sein kann? Vielleicht ist es befreiend uns endlich lösen zu können vom „schneller, besser, größer“. Vielleicht tut es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das dafür schätzen zu können? Wir haben jetzt noch die Chance, die Notbremse zu ziehen. Tun wir das nicht, kann es sein, dass uns das Klima völlig unvorbereitet „ausbremst“.

Foto: @hpp3z – Fotolia

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

Stichworte: , , , , , , , ,


About the Author

Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion



One Response to Was der Klimagipfel in Paris mit Skitourismus zu tun hat

  1. Matthias Uphues says:

    Der Klimawandel laesst sich sicher nicht leugnen. Ob er wirklich so schlimm ist wie manche Wissenschaftler propagieren ist aber fraglich. So hat man also unter der Pasterze, Oesterreichs groesstem Gletscher Jahrtausende alte Baeume gefunden. Das bedeutet, dass es zwischen den grossen bekannten Eiszeiten also auch Waermezeiten gegeben haben muss. Deutlich waermer als heute! Die naechste Eiszeit koennte auch wieder schneller kommen als erwartet: Es muessten einfach ein paar groessere Vulkanausbrueche kommen. Dann befindet sich so viel Aschenstaub in der Atmosphaere, dass sich das Klima wieder um einige Grad abkuehlt. Das ist nach Meinung einiger Wissenschaftler auch der Grund fuer die groesseren Eiszeiten gewesen! Ich finde es auf jeden Fall gefaehrlich aus Panikreaktion auf die Klimaerwaermung jeden Fluss mit Kraftwerken zu verbauen und jeden Bach in Druckrohre zu stecken!!! Der Klimawandel sollte nicht mit (Staats-)Propaganda zu Wirtschaftszwecken missbraucht werden, wie es derzeit von der staatlichen Salzburg AG und vom Verbund betrieben wird, denn der Gewaesserschutz untersteht leider dem Eigentuemer der Salzburg AG!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑