Gesundheit & Ernährung Kindergesundheit (Heggie/Fotolia)

Veröffentlicht am 5. Oktober 2015 | von Kimbie Humer-Vogl

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Was ist uns die Gesundheit unserer Kinder wert?

Dieser Tage hat Csaba Szekely, Trainer und Leistungsdiagnostiker am Olympiastützpunkt Rif, zwei Videos ins Netz gestellt. Auf dem ersten zeigt er Kinder umgebender Schulen beim Versuch ein Rad zu schlagen. Alle scheitern kläglich und Szekely versichert:  99% der über 300 gezeigten Räder sahen so aus! Das zweite Video zeigt Kinder eines Leichtathletik-Vereins, die diese Aufgabe fast ausnahmslos mit Bravour bewältigen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Bevor ich meine Überlegungen zu diesen beiden Videos ausführe, die entscheidende Frage: Muss denn ein zehnjähriges Kind ein Rad können? Ohne überheblich wirken zu wollen, aber ich finde: Ja.

Ein Rad schlagen zu können, hat sehr viel mit Körperbewusstsein zu tun. Es gibt uns Auskunft über die Fähigkeit eines Kindes Bewegungsmuster zu imitieren, über Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Und wir wissen: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Jugend zum Sport

Was sagen uns nun diese beiden Videos? Die Kinder, die die schönen Räder schlagen, kenne ich. Und zwar seit vielen Jahren. Ich habe sie beim Kleinkinderturnen, der Tanzwerkstatt, der Zirkus-Woche und beim Kindertriathlon getroffen. Beim Salzkristall-Lauf, auf der Schipiste und bei „Jugend zum Sport“ sowieso. Manche spielen auch Fußball oder Tennis. Als Mutter von vier bewegungshungrigen Kindern kommt man ja ziemlich herum,  ich kann jedenfalls behaupten: das regionale Sportangebot für Kinder  ist mir gut vertraut!

Und die Eltern dieser sportlichen Kinder? Die treffe ich vorwiegend auf den Parkplätzen oder Tribünen  diverser Sportstätten oder eben auch selbst beim Sport. Für diese Eltern hat Sport einen hohen Stellenwert, sie haben ihre Kinder von klein auf in ihrer sportlichen Entwicklung gefördert und unterstützt. Sie haben – auch weil sie die zeitlichen und finanziellen Ressourcen dafür aufbringen konnten, und vermutlich auch, weil die Liebe zum Sport von einer zur nächsten Generation weiter gegeben wurde – diese wichtige Aufgabe selbst in die Hand genommen.

Für viele Eltern ist dieser Einsatz aber nicht möglich. Sie haben kein Auto, können sich die Beiträge nicht leisten oder haben schlichtweg keine Zeit bzw. auch nicht das Bewusstsein darüber, wie wichtig regelmäßige Bewegung für die Gesundheit ihrer Kinder ist.

Aber gerade auch für diese Kinder ist unsere Gesellschaft verantwortlich. „Ja, da ist die Politik gefragt“, sagen die Menschen. Also auch ich als Sport- und Gesundheitssprecherin der Grünen.  Aber ich muss zugeben: Hier ist auch die Politik ein bisschen ratlos und darum bitte ich Euch alle in diesem Punkt mitzudenken.

Aber gerade auch für diese Kinder ist unsere Gesellschaft verantwortlich. „Ja, da ist die Politik gefragt“, sagen die Menschen. Also auch ich als Sport- und Gesundheitssprecherin der Grünen.  Aber ich muss zugeben: Hier ist auch die Politik ein bisschen ratlos und darum bitte ich Euch alle in diesem Punkt mitzudenken.

Jeder Cent für die Kindergesundheit ist gut investiert

Wir PolitikerInnen wissen ja, dass „Jeder Cent, der in die Kindergesundheit investiert wird, gut angelegt ist“. Die Annahme: Wenn wir in den kritischen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen ausreichend Ressourcen zur Verfügung stellen, können wir die Gesundheit dieser jungen Menschen bis ins hohe Erwachsenenalter positiv beeinflussen. Tun wir dies hingegen nicht, lassen sich die möglicherweise entstandenen Schäden oft nicht mehr reparieren. Untersuchungen konnten zeigen, dass die Gesundheit von Erwachsenen durch den sozialen Status, den ihre Eltern wiederum in deren Kindheit inne hatten, signifikant beeinflusst ist. Das entstandene Defizit lässt sich oft auch nicht mehr durch einen Lebensstilwandel im Erwachsenenalter korrigieren!

Tatsächlich hat sich das Krankheitsspektrum von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dem Überfluss an ungesunden Nahrungsmitteln, der Verlagerung der Freizeitaktivitäten auf sitzende Tätigkeiten (Fernsehen, Internet)  und Umgebungsfaktoren, wie fehlende Spielplätze sei Dank: Wie bei der Erwachsenenbevölkerung sind sogenannte Lebensstil- oder Zivilisationserkrankungen auf dem Vormarsch.

Sämtliche Erhebungen kommen zu dem gleichen Ergebnis: Unsere Kinder und Jugendliche ernähren sich ungesund, sie bewegen sich zu wenig, rauchen zu häufig und trinken zu viel Alkohol.

Die Folgen: bei immer mehr Kindern- und Jugendlichen wird Übergewicht und Adipositas diagnostiziert, immer häufiger finden wir Diabetes und Herzkreislauferkrankungen-Krankheiten, die diese jungen Menschen ein Leben lang begleiten werden. In ihren Möglichkeiten und ihrer Lebensqualität werden sie dadurch massiv eingeschränkt. Ganz zu schweigen von den ungeheuren Kosten, die die Behandlung ihrer Leiden verursachen werden!

Die Gesundheitsausgaben für Kinder- und Jugendliche liegen in Österreich deutlich unter dem EU-Schnitt, wie Dr. Klaus Vavrik im Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich 2015 beklagt. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zu den wesentlich höheren Ausgaben im Erwachsenenalter. Teure Einsparungsmaßnahmen, wenn man bedenkt, dass jeder investierte Euro in diesem Alter mindestens dreifach zurückkommt! Die Antwort scheint also auf der Hand zu liegen: Wir müssen mehr bzw. viel Geld in die Prävention bei Kindern und Jugendlichen investieren…

Kann man sich Gesundheit kaufen?

Doch mit Geld allein, kann es nicht getan sein. Denn es braucht einerseits Kreativität, um die Mittel richtig einzusetzen und andererseits stellt sich auch die Frage: Kann man sich Gesundheit denn kaufen? Bewusste Ernährung muss nicht teuer sein.

So ist zum Beispiel Leitungswasser wesentlich gesünder als jedes noch so teure Getränk und Naturjoghurt jedenfalls den viel teureren Konkurrenzprodukten, die mit bunten Smarties und sonstiger Scharlatanerie die Kinderherzen höher schlagen lassen, vorzuziehen.

So ist zum Beispiel Leitungswasser wesentlich gesünder als jedes noch so teure Getränk und Naturjoghurt jedenfalls den viel teureren Konkurrenzprodukten, die mit bunten Smarties und sonstiger Scharlatanerie die Kinderherzen höher schlagen lassen, vorzuziehen.

Auch Sport erzeugt nicht immer laufende Kosten. Eine Radtour (okay man braucht dazu ein Fahrrad) ist völlig gratis, eine Wanderung auf eine Anhöhe, am besten über Stock und Stein, ebenso. Und die meisten Sportvereine kommen jenen Eltern entgegen, die sich die oft teuren Vereinsgebühren nicht leisten können.

Es stellt sich also eher die Frage: Wie kann ich Menschen zum gesunden Lebensstil motivieren?

Ganz ohne Geld wird es trotzdem nicht gehen. Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, rechtzeitig die notwendigen Mittel in die Hand zu nehmen, um gesunde Kindern gesunde Erwachsene werden zu lassen.

So ist zum Beispiel die tägliche Turnstunde längst überfällig, aber eben auch nicht gratis. Die Schulen brauchen personelle und auch räumliche Ressourcen, um dieser Forderung nachzukommen. Und die LehrerInnen entsprechende Aus- und Fortbildungen.

Auch im öffentlichen Raum benötigen wir zusätzliche Mittel. Kinder brauchen Bewegungsräume. Die Kunst ist, hier nicht wieder die Kinder zu fördern, die sicj ohnehin viel bewegen, sondern gezielt auch die Kinder zu erreichen, die nur wenige Möglichkeiten haben.

Ich habe da zum Beispiel den „bewegten Schulweg“ im gut situierten Stadtteil Hallein-Rif im Kopf. Entlang des Schulweges zur Volksschule Rif laden allerlei Herausforderungen Kinder zur täglichen Bewegungseinheit ein: ein Kraxelbaum, Kletterwände, Balanciermöglichkeiten. Eine tolle Sache, aber warum wird so etwas nicht in der Halleiner Altstadt errichtet, wo traditionell eher sozial schwache Familien angesiedelt sind und wo es kaum Möglichkeiten für Bewegung gibt?

Das waren jetzt nur ein paar Gedanken zu einem, wie ich meine, brennendem Zukunftsthema. Einem Thema bzw. einem Problem für den es weder „den“ Verantwortlichen oder „die“ Verantwortliche gibt und für die es schon gar keine einfachen Lösungen gibt. Klar ist, dass sich diese Herausforderung nicht allein im Gesundheits- oder Sportressort zu bewältigen ist. Kindergesundheit ist viel mehr Querschnittsmaterie, die ein gemeinsames Agieren aller Verantwortlichen, aber auch der Gesellschaft erfordert.

Ich bedanke mich bei Csaba Szekely fürs „Wachrütteln“. Seine beiden Videos haben mir verdeutlicht, wie dramatisch die Situation schon ist und wie hoch der Handlungsbedarf ist.

Nun aber freue ich mich auf Eure Anregungen, Ideen und Vorschläge… Entweder direkt hier, gerne aber auch per mail unter: kimbie.humer@aon.at

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

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Kimbie Humer-Vogl

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