Energiewende

Veröffentlicht am 27. Mai 2015 | von Josef Scheinast

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Photovoltaik: Meine Schattenenergieanlage

Zugegeben,um in der Schallmooser Hauptstrasse eine Photovoltaikanlage zu installieren, muss man entweder ein Spinner oder ein Enthusiast sein. Spezialisten neigen dazu, mich als Ersteres zu bezeichnen, ich selbst tendiere zum Zweiten. Warum? Weil es Spaß macht und weil es sich trotz dieser „Dreckslage“ rechnet. Aber beginnen wir mal ganz von vorn.

Ich habe in den frühen 80er-Jahren begonnen, mich mit der Nutzung der Sonnenenergie zu befassen. Der Energiehunger unserer Gesellschaft und das Scheitern der Kernenergie (Stichwort: Sellafield, Tschernobyl) verlangte nach sinnvollen und durchführbaren Alternativen. Die aktive und passive Nutzung der Sonnenenergie schien ein Weg zu sein, zukunftstauglich zu planen und zu bauen.

Du spinnst, sagten alle

Nun verschlug es mich jedoch zunächst mit meiner Tischlerei und dann auch mit der Wohnung in die Schallmooser Hauptstrasse. Schatten, das ganze Winter-Halbjahr. Das bedeutet: Keine Sonnenenergie gerade dann, wenn sie so notwendig wäre, nämlich in der Übergangszeit. Und auch keine Möglichkeit der passiven Nutzung der Sonnenenergie durch einen sinnvoll zu lüftenden Wintergarten.

Doch dann kam die Photovoltaik ins Spiel, zunächst sehr teuer und nicht rasend effizient. Sukzessive jedoch preiswerter und energievoller. Das wär doch was für mich!?

Du spinnst, sagten alle, die sich auskennen. Schau ins SAGIS (das Salzburger Geographische Informationssystem, online verfügbar und sehr informativ), dann siehst du, dass dein Standort völlig ungeeignet ist. Schlag dir das aus dem Kopf, das rechnet sich nie. Du kannst ja nicht einmal die graue Energie (das ist die Energie, die für die Produktion der PV-Module notwendig ist) hereinbringen. Wenn du schon zu viel Geld hast, dann beteilige dich an einem sinnvollen Projekt, an Windparks oder sonstigen Ökostromanlagen. Aber doch nicht eine Sonnenenergieanlage im Schatten!

Photovoltaik rechnet sich immer

Nur einer hat mich bestärkt und letztlich auch motiviert, das Projekt anzugehen: Rupert Fuchs. Er sagte als Einziger: Photovoltaik rechnet sich immer! Und er hat Recht! An bewölkten Tagen ist meine Anlage so effizient wie jede andere, weil PV-Module auch mit diffusem Licht arbeiten. Lediglich die Sonnentage im Winterhalbjahr, wo andere Anlagen gute Leistung bringen, die gehen mir ab.

Nun habe ich also doch vor drei Jahren meine Anlage installiert und kann folgendes Resümee ziehen: In einer normalen guten Lage sollte eine 5,5 kWp Anlage (das bezeichnet die Maximalleistung) zirka ebenso viele Kilowattstunden im Jahr leisten, also 5.500 Kilowattstunden. Mit meiner PV-Anlage (zur Erinnerung: in völlig ungeeigneter Schattenlage!) habe ich in den drei Bestandsjahren insgesamt 12 MWh (Megawattstunden) produziert, das sind also durchschnittlich 4.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Die „graue Energie“ meiner Anlage ist also nach diesen drei Jahren produziert, die Stromrechnung meiner Wohnwerkstatt hat sich fast halbiert. Ich bin Überschuss-Einspeiser, das heißt, ich verwende den Sonnenstrom zunächst in der Tischlerei. Alles was darüber hinaus produziert wird, geht direkt ins Stromnetz der Salzburg AG. Ich bin begeistert!

Das liebe Geld

Und nun zum Finanziellen: Erneuerbare Energie muss sich rechnen. Sagt jede/r. Weil jede/r vernünftig ist. Weil jede/r immer schaut, dass sich alles rechnet. Unser Fahrzeug muss sich rechnen, samt Klimaanlage und Alufelgen. Das Haus, die Wohnung, das Bett, der Urlaub und unsere Nahrung – all das muss sich rechnen. Die Kleidung, der Kirtag, der Sonntagsausflug, die Ehe und die Kinder müssen sich rechnen. Klarerweise auch die PV-Anlage, oder?

Machen wir uns nix vor: Das ganze Leben rechnet sich nicht! Darum muss sich auch eine Investition in erneuerbare Energie nicht rechnen. Sie tut es aber trotzdem. Jeder Beitrag eines jeden Menschen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und so den Klimawandel zu bremsen, zählt und rechnet sich damit. Jeder Beitrag der hilft, Verschwendung, Verseuchung und Verdummung auf diesem Planeten zu begrenzen, ist wertvoll und rechnet sich also. Das ist keine Frage der Demagogie, sondern eine Frage der Werte.

PS.: Übrigens: meine Mischkalkulation ergibt, dass jede von meiner PV-Anlage produzierte Kilowattstunde 13 Cent wert ist. Das heißt, ich kann mit jährlich 520.- Ertrag rechnen. Damit habe ich die Kosten der Anlage in 16 Jahren verdient, vorausgesetzt, die Energiepreise bleiben weiterhin so niedrig. Falls sie sich in den nächsten Jahren erhöhen, amortisiert sich die Photovoltaik natürlich früher. Der Mehrwert des guten Gewissens sollte aber für jeden ordentlichen Kaufmann, der sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt, sowieso alles andere in den Schatten stellen.

 

Josef Scheinast

Über Josef Scheinast

Landtagsabgeordneter - Sprecher für Wohnen, Wirtschaft, Umwelt, Tourismus, Technologie, Raumordnung, KonsumentInnenschutz, Arbeitsmarkt

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