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Veröffentlicht am 17. März 2015 | von Simon Hofbauer

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Wir erkennen den Nazis die Ehrungen ab

Ehrungen des Landes sollen künftig auch nach dem Tod aberkannt werden

Eduard Paul Tratz (1888-1977). Gründer des Salzburger „Haus der Natur“. Träger des Rings und des Goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg. Nationalsozialist.

Eduard Paul Tratz hat das Haus der Natur nicht nur als “Museum für darstellende und angewandte Naturkunde” gegründet, sondern dieses nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch in das SS-Ahnenerbe Heinrich Himmlers eingegliedert. Dadurch erhielt Tratz einen entsprechenden SS-Rang im Stab des Reichsführers SS Himmler.
Wie ein Gutachten des Salzburger Historikers Robert Hoffmann aus dem Jahr 2007 belegt, arrangierte sich Tratz sofort nach dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland mit den neuen Machthabern, suchte Kontakte zu höchsten Stellen des NS-Regimes, wurde Parteimitglied und Gaujägermeister. Besondere Anerkennung Himmlers brachte ihm sein in hoher Auflage vom Reichsführer SS bestelltes Buch „Natur ist alles“ ein.
Eduard Paul Tratz sah die Aufgabe „seines“ Hauses der Natur darin, weltanschauliche Zielsetzungen zu verfolgen und die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Nationalsozialismus museal darzustellen. Das Haus der Natur sollte ein nationalsozialistisches Leitmuseum werden.
Mit der Eingliederung in das Ahnenerbe realisierte Tratz den Saal „Lebensgeschichte“, in dem beispielsweise „Rassen und Typen des deutschen Volkes und ihrer Parasiten“ ausgestellt wurden. Darunter zwei Abformungen von jüdischen Männern aus dem KZ Dachau. Doch damit nicht genug: Tratz beteiligte sich im Herbst 1939 höchstpersönlich – im Namen des SS-Ahnenerbes – an Kunstraubaktionen in Polen und der Ukraine.

Obwohl Eduard Paul Tratz nach Kriegsende aufgrund seiner Nazi-Mittäterschaft vorerst als Leiter des Haus der Natur enthoben wurde, konnte er diese Stelle bereits 1949 wieder bekleiden. Er selbst führte in seinem Werkverzeichnis weiterhin seine NS-Publikationen an und distanzierte sich nicht vom NS-Gedankengut.

Nach Tratz‘ Tod im Jahr 1977 sollte es weitere 37 Jahre dauern, bis ihm die Universität Salzburg die Ehrendoktorwürde aberkannte und wenig später auch die Landeshauptstadt Salzburg seine Ehrenbürgerschaft revidierte. Die Auszeichnungen des Landes sind hingegen immer noch aufrecht. Um Tratz auch die Landesehrung abzuerkennen, gab es entsprechende Initiativen der Grünen sowie der SPÖ. Damit soll die rechtliche Grundlage geschaffen werden, dass entsprechende Ehrungen und Auszeichnungen auch posthum, also nach dem Tod, aberkannt werden können. In der Sitzung des Verfassungs- und Verwaltungsausschusses des Salzburger Landtags am 4.3.2015 wurde – gegen die Stimmen der FPÖ – beschlossen, dass die Landesregierung eine entsprechende Gesetzesänderung prüfen und diese innerhalb von sechs Monaten dem Landtag zur Beschlussfassung vorlegen muss.

Damit hat der Landtag ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Nazis wie Eduard Paul Tratz keine TrägerInnen von Auszeichnungen des Landes sein sollen. Auch nicht, wenn sie schon lange tot sind. Denn wir wollen niemals vergessen!

Simon Hofbauer

Über Simon Hofbauer

Landtagsabgeordneter, stv. Klubobmann - Sprecher für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Jugend, Kunst und Kultur, Sicherheit, Verfassung, Demokratie und Föderalismus


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