Sozial & gerecht

Veröffentlicht am 25. Februar 2015 | von Kimbie Humer-Vogl

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6 Gründe, warum das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz super ist

Am 25. Februar 2015 ist es endlich soweit: Das neue Salzburger Kinder- und Jugendhilfegesetz wird Thema bei den Ausschussberatungen des Salzburger Landtages sein. „Endlich“ deshalb, weil Salzburg das letzte Bundesland ist, das diese Vorlage verabschiedet. Möglich, dass die Opposition „schon wieder Schlusslicht“ schreien wird, aber ich meine: Das Warten hat sich gelohnt, denn dieses Gesetz ist ein wirklich gutes geworden!

Und das kommt nicht von ungefähr. Denn das Gesetz ist Resultat eines breiten partizipativen Prozesses, bei dem unzählige Menschen aus der Praxis (Jugendämter, Träger der unterschiedlichsten Kinder- und Jugendhilfeangebote) eingebunden waren. Logisch, dass  ein auf diese entstandenes Gesetz seine Vorzüge hat!

Und dann ist diesem Gesetz etwas gelungen, von dem man zwar gerne spricht, aber in der Realität meistens eher zurückhaltend ist: Der präventive Ansatz zieht sich durch das gesamte Gesetz. Das erfordert durchaus Mut, denn jeder Politiker/jede Politikerin kann sich ausrechnen, dass die „Ernte“ der Präventionsarbeit möglicherweise nicht mehr einem selbst, sondern seinem/seiner NachfolgerIn überlassen werden könnte!

Und schließlich muss noch ein Aspekt des neuen Gesetzes hervorgehoben werden: In diesem Gesetz geht es voll und ganz um das Wohl des Kindes. Die Interessen anderer Personengruppen sind nur relevant, wenn sie sich positiv auf das betroffene Kind auswirken.

Beispiele gefällig? Gerne! Allerdings muss ich mich auf meine „Top 6“ einschränken, ich will ja schließlich, dass dieser Blogbeitrag auch gelesen wird. Wenn ich alle Vorzüge des Gesetzes einzeln aufliste, wird das Ganze einfach zu lang…

  • Das Amt kann bereits einschreiten, bevor eine konkrete Gefährdung eingetreten ist

Konnte das Jugendamt bisher erst bei „Gefahr in Verzug“ tätig werden, ist es jetzt möglich auch bei drohender Gefährdung einzuschreiten. Konkret heißt das: ich muss nicht warten bis etwas passiert, ich kann schon vorher handeln.

  • Psychologische Unterstützung für die Eltern bei „Kindesabnahme“

Bisher wurden Eltern alleine gelassen, wenn ihnen ihre Kinder ohne ihr Einverständnis abgenommen hat. Zurück blieb meist Verständnislosigkeit, Wut und Verzweiflung. Nicht unbedingt die besten Zutaten für eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Jetzt bekommen diese Eltern psychologische Begleitung, mit dem Ziel sie beim Verstehen dessen, was schief gelaufen ist, zu unterstützen und sie darin zu stärken, auch weiterhin verlässliche Bezugspersonen für ihre leiblichen Kinder zu sein. Eine Rückführung der Kinder in ihre Herkunftsfamilien kann so schneller und erfolgreicher erfolgen.

  • Für junge (werdende Mütter) bis zum 21. Geburtstag wird es Mutter-Kind-Wohngemeinschaften geben

Um gerade sehr jungen Müttern und ihren Babies einen guten Start ins gemeinsame Leben zu ermöglichen, wird ein neues Angebot geschaffen: Betreute Mutter-Kind-Einrichtungen. In diesem geschützten Rahmen können die jungen Mütter in ihrer Bindung zu ihrem Baby gestärkt werden. Frühe positive Bindungen stärken Kinder ihr ganzes Leben.

  • Betreuungs-Möglichkeiten bis zum 21. Geburtstag

Jugendliche in Wohngemeinschaften müssen diese nun nicht mehr mit dem 18. Geburtstag verlassen, sondern können – wenn notwendig – in Zukunft auch erst mit 21 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit machen. Das ist insofern wichtig, als die erlebten Traumata und Beziehungsabbrüche in den früheren Kindheitsjahren dazu führen können, dass die Jugendlichen Zeit zum „Nachreifen“ benötigen, ehe sie bereit sind, die Herausforderungen des Erwachsenenlebens alleine in Angriff zu nehmen.

  • Der Selbstbehalt fällt bei ambulanten Maßnahmen und für Jugendliche in WGs

Bisher mussten Eltern einen Selbstbehalt verrichten, wenn sie zu Hause Unterstützung in der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder erhielten. Für den Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Helfer ein denkbar ungünstiger Einfluss. Und auch Jugendliche mit Job mussten bisher einen Selbstbehalt in ihrer Wohngemeinschaft beisteuern. Keine Frage, dass das Quelle ständiger Konflikte zwischen Jugendlichen und BetreuerInnen war!

  • Die Kündigung von Wohnverträgen ist tunlichst zu vermeiden

Diese Maßnahme ist eigentlich meine „Lieblingsmaßnahme“. Den Trägern wird es künftig nämlich sehr schwer gemacht, nicht kooperationswillige Jugendliche vor die Tür zu setzen. Im Sinne der Vermeidung weiterer Misserfolgserfahrungen für die Jugendlichen auf der einen Seite und der notwendigen  Betreuungskontinuität für eine erfolgreiche Entwicklung auf der einen Seite, aber auch  eine absolute sinnvolle Maßnahme. Ehe ein Jugendlicher aus einer Maßnahme entlassen wird, müssen in Zukunft zwei Helferkonferenzen einberufen werden. Zusätzlich besteht in Zukunft die Möglichkeit auf zusätzliches Betreuungspersonal, um die Gefährdung anderer abzuwenden.

Ich bin überzeugt, dass die präventive Schwerpunktsetzung dieses Gesetzes zahlreiche unglückliche Lebensverläufe verhindern kann. Die dadurch verhinderten Folgekosten in Schulen, bei der Mindestsicherung, in Strafanstalten etc. werden letztendlich das Dreifache dessen einbringen, was die Umsetzung dieses Gesetzes kostet.

Und es haben durch dieses Gesetz mehr Kinder die Chance zu selbstbewussten, glücklichen und erfolgreichen Erwachsenen zu werden. Ein Mehrwert für die gesamte Gesellschaft also!

Foto: Teamwork/Fotolia

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

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Kimbie Humer-Vogl

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