Gleichbehandlung Marianne Schulze und Kimbie Humer-Vogl beim GRÜNEN Themenabend über die Umsetzungsmöglichkeiten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Veröffentlicht am 6. Oktober 2014 | von Kimbie Humer-Vogl

5

UN-Behindertenrechts-Konvention und Umsetzungsmöglichkeiten in Salzburg

Können Sie sich vorstellen, dass Österreich von einem Bundeskanzler/einer Bundeskanzlerin regiert wird, der/die eine Behinderung hat? Der/die zum Beispiel blind ist, nichts hört oder gar mittels Sprachcomputer kommuniziert? Nein? Dann haben wir ein Problem mit dem Bewusstsein über Menschen mit Behinderung, meint zumindest Drin. Marianne Schulze. Und das ist eine, die es wissen muss. 

Die unabhängige Menschenrechtskonsulentin leitet seit der österreichischen Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung 2008  den Monitoringausschuss zur Überwachung der Umsetzung dieser Konvention.

60 Mal hat dieser Ausschuss seither getagt: Zweimal jährlich ist diese Tagung öffentlich. Der nächste öffentliche Termin ist übrigens am 30.Oktober von 13.00 bis 17.00 in der Messe Wien (Thema „Partizipation“).

Marianne Schulze beim GRÜNEN Themenabend in Salzburg

Drin. Marianne Schulze war am Montag, den 29.10.2014, anlässlich eines GRÜNEN Themenabends zu den Umsetzungsmöglichkeiten der UN-Behindertenrechtskonvention in Salzburg zu Gast. Die Inhalte dieses Blogbeitrages sind ihrem Vortrag entnommen.

In Österreich herrscht immer noch die >Licht ins DunkelMentalität<“, so Marianne Schulze, „Dieses Bild ist von Mitleid geprägt und zielt auf Spenden ab“. Die meisten Menschen würden nach wie vor nicht wissen, wie sie auf Menschen mit Behinderungen zugehen können, geschweige denn, welche Art von Assistenz Menschen mit Behinderung brauchen würden. In Österreich gäbe es ein Parallelsystem für Menschen mit Behinderungen, so Schule: Menschen mit Behinderung gehen in Sonderschulen, wohnen in Wohnheimen, arbeiten in geschützten Werkstätten. Dort würden sie in Watte gepackt, sodass ihnen ja nichts passiert.

Selbstbestimmung braucht Mut zum Risiko

Dabei, so Marianne Schulze, brauche Selbstbestimmung Fehler und die Würde des Risikos. Nur wer Fehler machen darf, kann auch dazu lernen.  Dies zeigt sich deutlich in der Diskussion um die Sachwalterschaft: Jeder von uns hat schon mal sein Konto überzogen, warum darf das nicht auch jemandem mit Lernschwierigkeiten passieren?

Hier braucht es dringend einen Abbau von Barrieren in den Köpfen. Wie das gehen kann? In erster Linie dadurch, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam die Schulbank drücken. Denn die Bildung ist der Dreh- und Angelpunkt für ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. „Wir müssen eine Generation heranziehen, die sich nicht zu Tode fürchtet, wenn es darum geht Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, so Marianne Schulze. Doch das derzeitige Schulsystem in Österreich könne das nicht leisten, dieses schaffe es derzeit auch nicht Kinder ohne sogenannte Behinderung dort abzuholen, wo es nötig wäre – geschweige denn Kinder mit hohem Assistenzbedarf. Dennoch sollte versucht werden, möglichst viele Kinder zu integrieren und  alle Schulen barrierefrei zu machen.

Barrieren im Kopf abbauen

Außerdem brauchen Eltern mehr Unterstützung. Ein Kind mit Behinderung zu haben ist ein oft lebenslanger Kampf. Alles muss erkämpft werden: der Platz in der Frühförderstelle ebenso wie der Besuch einer Integrationsklasse, der Arbeits- oder Wohnplatz. Immer wieder werden Eltern zu Bittstellern deklassiert, oder ganz alleine gelassen. Will man auch in den Köpfen der Eltern „Barrieren abbauen“, sollte man sie dabei unterstützen, andere Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Das geht über Bildmaterial, Informationsangebote, Unterstützung durch SelbstvertreterInnen. Ein Tipp ist auch das „Mut-Buch“ von WIBS.

Denn nur, wenn es gelingt, die Barrieren im Kopf abzubauen, können wir auf eine Zukunft hoffen, in der die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft auch für Menschen mit Behinderung selbstverständlich ist.

Dass es falsch ist, Menschen aufgrund eines Merkmals zu diskriminieren, hat die Geschichte mehrmals bewiesen:  Die Themen der Behindertenrechte zeigen sich  in der Frauenrechtsbewegung ebenso wie Menschenrechtsbewegungen (z.B. Apartheidsystem in Südafrika). Talente sind über alle Menschen hinweg gleichverteilt, Segregation bedeutet immer auch, auf die Talente der ausgeschlossenen Menschen zu verzichten.

Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass wir sogenannten chronisch mehrfach normalen Menschen wissen, was Menschen mit Behinderung brauchen.  Und alles daran setzen, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.  Das ist gar nicht schwierig, denn im Prinzip wollen Menschen mit Behinderung das gleiche wie wir alle. Wir müssen nur endlich beginnen, ihnen Alternativen anzubieten, sie nach ihren Wünschen, Vorstellungen und zielen zu fragen,  ihre Antworten ernst zu nehmen und ihnen für die Umsetzung die notwendige Assistenz zur Verfügung zu stellen!

SOZIALES: LANDTAG BRINGT AKTIONSPLAN ZUR UMSETZUNG DER UN-BEHINDERTENRECHTSKONVENTION AUF DEN WEG

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

Stichworte: , , , , ,


About the Author

Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion



5 Responses to UN-Behindertenrechts-Konvention und Umsetzungsmöglichkeiten in Salzburg

  1. Das hört sich ja alles gut und schön an. Inklusion von behinderten ist aber nicht so einfach. Es bedarf dabei nicht nur Barrieren abzubauen sondern behinderten und beeinträchtigten Menschen zu helfen und zu unterstützen. Seit Jahren wird versprochen und halbherzig agiert. die Landesregierung sollte sich der Verantwortung stellen und handeln. Salzburg ist eine Kunst und Kultur Stadt! Solange Mio. in Kultur und Kunst investiert wird und andererseits bei behinderten und beeinträchtigten Menschen gespart wird ist dieses System zum scheitern verurteilt. In ihre Partei wurde viel Hoffnung investiert und bis heute eher enttäuscht.
    Lapidare ausreden lösen keine Probleme sondern verärgern jeden Salzburger. Wer hinter die Kulissen blicken kann wird eines besseren belehrt.

    Lg Harald Brengel

  2. Kimbie Humer-Vogl says:

    Sehr geehrter Herr Brengel,

    ich bedauere sehr, dass sie von der grünen Inklusionspolitik enttäuscht sind! Zu meiner politischen Rolle möchte ich aber anmerken: Mir obliegt es leider nicht, Gelder zu verteilen. Sehr wohl aber ist es meine Aufgabe, Denkprozesse anzuregen, die letztendlich dann auch als politischer Wille ihren Ausdruck finden. Und hier sehe ich es eben als vordringlich, den Paradigmenwechsel von der Integrationspolitik hin zur Inklusionspolitik voranzutreiben. Denn, und das wissen wir beide, da ist noch sehr viel zu tun!

    Mit freundlichen Grüßen
    Kimbie Humer-Vogl

  3. Sehr geehrte Fr. Kimbie Humer-Vogl

    es geht hier nicht um geld verteilen sondern um misstände die seit jahren bekannt sind. Ich sitze nicht im landtag und in der Landesregierung um etwas tzu bewirken. Ich kritisiere hier die ungleiche verteilung auch unserer gelder. Sehen sie sich die Subventionsliste so wie ich aus dem Jahr 2012/2013 an und sie werden sehen dass es hier gewaltige ungleichheiten Kunst/Kultur zu sozialem gibt. Ich sage auch nicht das nicht vieles eine berechtigung zur subvention hat aber ich sehe nicht ein das man 10 000 € catering für eine sprotlerwahl subventioniert und behinderte kinder welche autisten ja auch sind im regen stehen lässt. Das ist zu kritisieren und das werde ich auch weiterhin tun. Jeder behinderte mensch hat das recht auf förderung und gleichbehandlung oder? Warum fördert das Land Salzburg wie auch die meisten bundesländer keine therapien für autisten. Diese umstände und die tatsächliche situation die belegbar. Das wiederspricht eindeutig der Behinderten rechts kommision. Ich warte daher immer noch gespannt auf meine terminanfragen an unseren hr. landeshauptmann der mir diese ungleichverteilung sicherlich erklären kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    Harald Brengel

  4. Pingback: Inklusion in Salzburg: Kein Rand- sondern Kernthema! - BLOG der GRÜNEN Landtagsabgeordneten Salzburg

  5. M.Sch. says:

    Sg. Hr. Brengel,
    liebe Kimbie

    ich möchte BEIDEN einfach DANKEN. Für das Engagement betreffend unserer Kinder. Jeder auf seine Weise. Froh bin ich, dass es jetzt Vereine gibt, die Kinder mit autistischen Zügen helfen UND ich bin mir sicher es wird mit der Hilfe weiter gehen. Schritt für Schritt. Bitte, helft unseren Kindern alle, dass es leistbare Unterstützung und Hilfe für Kinder, Eltern usw. gibt. Bitte: Familienberatungen zum Thema Kinder mit ADHS, Autismus, Legasthenie, Information an JA, Gericht, Schulen usw. BITTE: gratis, denn sonst kann keine Alleinerziehende hin gehen.
    Es braucht auch mobile Autismus Specialtrainer und Erziehungshilfen BEVOR die Eltern (meist Mütter) zusammen brechen.
    Sg. Hr. BRENGEL, auch ich werde mich engagieren und nicht aufhören um Hilfe zu bitten.

    PS: Für unsere Familie ist es leider schon zu spät!!! Lieben Gruß, M.Sch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑