Umwelt & Natur

Veröffentlicht am 14. September 2014 | von Rupert Fuchs

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Von Wölfen und Menschen

Vor kurzem wurde in St. Gilgen ein Schaf durch einen Wolf gerissen. Vielen Menschen macht das Angst – verständlicherweise. Darum bin ich der Meinung, dass es nun eine sachliche Debatte braucht, wie wir mit der Rückkehr von Wildtieren umgehen und wie wir die dabei Interessen der LandwirtInnen und des Wildtiermanagements gleichermaßen bewahren können.

Klar ist: Der Verlust des Schafs einer St. Gilgener Bäuerin ist zu bedauern und muss entschädigt werden. So ist es vorgesehen und so soll es auch sein!

Gleichzeitig darf Haustierschutz nicht gegen Wildtierschutz ausgespielt werden: Tierschutz hört nämlich nicht bei jenen Tieren auf, die wir Menschen uns als Nutztiere halten. Wir sind es vielmehr allen Tieren schuldig, ihnen Respekt und Schutz zukommen zu lassen.

Der Wolf ist europarechtlich, bundesrechtlich und auch landesrechtlich streng geschützt und hat eine Existenzberechtigung. Fakt ist: Wäre der Wolf nicht ausgerottet worden, hätte er auch bei uns in Salzburg ein natürliches Vorkommen. Nun kehrt er nach über einem Jahrhundert zurück und wir müssen uns auf ihn einstellen.

Verstärkte Information und Aufklärung der Bevölkerung

Leider haben wir es in unseren Breiten verlernt, mit dem Wolf umzugehen. In anderen Erdteilen ist es vollkommen selbstverständlich, dass Weidetiere mit Hunden oder Hirten behütet werden. ​Wolfsmanagement, wie es durch die Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (KOST) betrieben wird, muss angesichts der Rückkehr des Wolfes erneut forciert werden.

Neben Förderungen für die Behirtung braucht es verstärkte Informations- und Aufklärungsarbeit für die LandwirtInnen und die JägerInnenschaft. Ebenso sollte ein allgemein verständlicher Handlungskodex ausgearbeitet und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.

Denn: Wenn wir verstehen, wie diese Tiere leben und wie sie sich verhalten, wird auch die gesellschaftliche Akzeptanz für die Wölfe wachsen.

Wölfe haben positiven Einfluss auf Ökosysteme

Die Art, wie sich der Wolf ernährt, mag grausam erscheinen. Doch er ist ein äußerst energieeffizienter Jäger: Unbeschützte Nutztiere wie Schafe und Ziegen sind daher leichte Beute für ihn – Rinder greift er dagegen nur äußerst selten an. Ist diese leichte Beute nicht greifbar, reißt er hauptsächlich Schalenwild (Reh, Rothirsch, Wildschwein, Gämsen, u.a.) und bevorzugt dabei junge, alte oder kranke Tiere. Dies hat im Allgemeinen einen positiven Einfluss auf das Ökosystem, klar ist aber auch, dass ihn das fast zwangsläufig in einen Konflikt mit der JägerInnenschaft und mit LandwirtInnen.
Studien belegen jedoch, dass das Fehlen der großen Beutegreifer global verheerende Auswirkungen auf den Artenreichtum von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen hat und damit auch negative Folgen für die Vegetation, die Landwirtschaft und sogar für den Klimawandel.

Welche positiven Einflüsse Wölfe auf Ökosysteme haben können, zeigt eindrucksvoll das Beispiel des Yellowstone Nationalparks (USA). 70 Jahre lang gab es hier keine Wölfe, wodurch die Hirschpopulation stark zunahm. Viele Hirsche fressen viel Grünfutter. Die Vegetation wurde stark ausgedünnt, während die Bodenerosion zunahm.

Als die Wölfe ab dem Jahr 1995 zurückkehrten, regenerierten sich Tier- und Pflanzenwelt:

  • Die Wildpopulation (Elch, Wapiti, Hirsche) ging durch den Wolf auf ein verträgliches Maß zurück,
  • die Vegetation nahm zu, die Wälder erholten sich,
  • dadurch fanden mehr Singvögel und Bieber einen Lebensraum,
  • weil es mehr Bieber gab, profitierten auch die Otter, Fische und Amphibien (durch den Dammbau bieten die Flusslandschaften vielen Arten neue Nischen).
  • Die Wölfe töteten auch einige Kojoten, wovon wiederum Hasen und Kaninchen profitierten,
  • dadurch fanden auch Füchse, Wiesel und Adler mehr Nahrungsquellen vor.
  • Die Bären-Population wuchs an, da es auch für sie nun ein reichhaltigeres Angebot an Nahrung gab (mehr Vegetation – mehr Beeren, etc…)
  • und sogar die Flüsse änderten ihren Verlauf, weil sich der Bewuchs an den Ufern erholte und so die Ufer befestigt wurden.
  • Zu guter Letzt nahm auch die Bodenerosion auf den Bergen ab.

Copyright: Gary Kramer [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Rupert Fuchs

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Landtagsabgeordneter, Bezirkssprecher der Grünen Pongau - Sprecher für Energie, Landwirtschaft, Naturschutz, Nationalpark, Tierschutz, Volkskultur

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