Integration

Veröffentlicht am 11. September 2014 | von Kimbie Humer-Vogl

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Gelebte Inklusion in der Tagesbetreuung – Geht das?

Ich habe kürzlich die Caritas-Tagesbetreuungseinrichtung Mittersill besucht. Wenn ich normalerweise Einrichtungen besuche, wird mit Zahlen und Fakten begonnen. Da geht es um Gruppengröße, Betreuungsschlüssel, Qualifikation der MitarbeiterInnen und pädagogische Konzepte. In Mittersill war es ganz anders. Ich habe Geschichten gehört:

Zum Beispiel von der 26 jährigen Susanne (sämtliche Namen  geändert). Susanne ist kürzlich mit ihrem Freund in eine kleine Wohnung gezogen. Mit der Essenszubereitung im neuen Heim klappt es noch nicht so recht. Gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht. Einstweilen wird Susanne kommentarlos zu Mittag noch ein zweiter Teller hingeschoben. Und sollte das „Wohnprojekt“ am Ende doch scheitern, dann gibt es die Einstellung:  kein Problem, scheitern gehört zum Leben dazu.

Oder vom 23 jährigen Fabian. Der lernt gerade seinen langen Arbeitsweg alleine mit dem Bus  zu bewältigen. Da sind viele Zwischenschritte notwendig, da braucht es viel Vertrauen auf allen Seiten, aber Fabian steht schon kurz vor dem Ziel.

Oder von Martin, der einmal in der Woche alleine die Kontoauszüge für die Einrichtung von der Bank holt. Anfangs bekam er die Kontoauszüge, ohne Anfrage, jetzt fragt er schon selbstständig nach den Kontoauszügen.

Irgendwie scheint es in der Tagesbetreuung Mittersill von jedem und  von jeder eine solche Geschichte zu geben und immer sind  ganz viele Menschen beteiligt. Ob das die Gemeinde ist, die Gehsteigkanten abgetragen hat, das Kaffeehaus, das eine (übrigens tadellose) Rampe errichtet hat, oder eine Therme, deren MitarbeiterInnen alles tun, um der Tagesbetreuung einen angenehmen Thermenaufenthalt zu sichern, alle scheinen interessiert an Begegnung und Austausch zu sein und für alle scheint es selbstverständlich das Ihre dazu beitragen zu wollen.!

Klar, wenn Susanne, Fabian und Martin in der Tagesbetreuung ihrer Arbeit nachgehen, dann ist das nicht Inklusion. Auch nicht dann wenn, die Tageseinrichtung offen für BesucherInnen ist oder dann, wenn Gruppen-Ausflüge ins Ortszentrum unternommen werden oder wenn es gemeinsame Aufführungen mit Schulklassen gibt. Vielleicht ein bisschen mehr, wenn Susanne, Fabian und Martin einer Erstkommunionsgruppe beibringen, wie man Mosaikkreuze herstellt.

Aber sobald Susanne sich in ihren eigenen vier Wänden ins Bett legt (egal ob mit oder ohne Abendessen), wenn Fabian in den Bus steigt und seine Fahrkarte bezahlt und Martin bei der Bank in der Schlange steht, kann von Inklusion gesprochen werden.

Viele kleine Schritte, ich weiß, aber ganz sicher Schritte in die richtige Richtung!

 

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

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Kimbie Humer-Vogl

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