Gleichbehandlung

Veröffentlicht am 25. September 2014 | von Kimbie Humer-Vogl

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Andersrum am Land: Homophobie und Ausgrenzung sind immer noch gegenwärtig

Die grünen Bezirksgruppen Pinzgau haben sich kürzlich dem Thema „Andersrum am Land“ gewidmet. Gemeinsam mit den Grünen Andersrum wurde zu einem Vortrags- und Diskussionsabend mit Mag.Irene Peer (Homosexuellen Initiative Salzburg) in Zell am See geladen.

Was ist von diesem Abend bei mir hängengeblieben?

  1. Ungefähr 10 – 15% der Bevölkerung dürften homosexuell sein. Eine dichtotome Einteilung in homosexuell versus heterosexuell ist allerdings ohnehin nicht korrekt. Studien haben gezeigt, dass 95% der Bevölkerung beide Anteile in sich tragen.
  2. Homosexuelle Menschen sind in Österreich immer noch unvorstellbaren Diskriminierungen ausgesetzt. So dürfen sie zum Beispiel nicht heiraten, keine Kinder adoptieren und nicht Blutspenden. Und öffentliche Beschimpfungen und Verleumdungen stehen leider sowieso auf der Tagesordnung.
  3. Der Begriff „homosexuell“ ist stark auf Sexualität fokussiert. Homosexuell zu sein hat aber auch etwas zu tun mit Liebe, Treue, Beziehung.
  4. Bekennend homosexuell zu sein bedeutet lebenslanges „coming-out“. Immer wieder muss man sich neu erklären, ob am Arbeitsplatz, im Verein, bei Bekannten,…
  5. Die schwierigste Phase ist wohl das erste „coming-out“. Diese Phase geht mit einem um ein vielfaches erhöhtes Selbstmordrisiko einher.
  6. Es ist tatsächlich anders am Land andersrum zu sein. Die Anonymität der Großstadt, gepaart mit der Tatsache, dass Beratungsstellen vor Ort sind und der Tatsache, dass der Wirkungsgrad wertkonservativer Religionsgemeinschaften ein geringerer ist als auf dem Land, erleichtern vermutlich ein coming-out in der Stadt. Einige anwesende Betroffene meinten zwar, sie hätten auch auf dem Land kein Problem, die große Anzahl jener, die aber gerne zur Veranstaltung gekommen wären und letztendlich zu Hause geblieben sind (Hauptorganisator Klaus Horvarth-Unterberger hatte mit ca. 40 Personen vor der Veranstaltung telefoniert, die meinten nicht kommen zu können, obwohl sie das gerne getan hätten) sprechen leider eine andere Sprache.

Was können wir also tun, um homosexuellen Menschen ein „coming-out“ zu erleichtern:

  1. Null-Toleranz für homophobe Aussagen. Es reicht nicht zu schweigen, wenn andere ArbeitskolleInnen über Schwulenwitze lachen, die Rolle homosexueller Menschen im öffentlichen Leben offen in Frage gestellt wird („Keine schwulen Lehrer für unsere Kinder“) oder verdiente Kirchenmänner himmelschreiende Unwahrheiten verbreiten. Hier ist es notwendig offen in Diskussion zu treten und „die Dinge richtig zu stellen“.
  2. Ein offenes Klima erleichtert es Menschen zu ihrer Homosexualität zu stehen. In Haushalten, wo mal eine HOSI-Broschüre herumliegt, wo wertschätzend über homosexuelle Menschen gesprochen wird oder wo ein Anstecker der Grünen Andersrum von einer Tasche lacht, finden wir so ein Klima. Herkömmliche Familienmodelle haben nicht ausgedient, aber sie wurden erweitert und es macht Sinn, schon kleinere Kinder darüber aufzuklären, dass es verschiedene Familien-Varianten gibt.
  3. Sichtbar machen. Es genügt nicht homosexuelle Familienkonstellationen „mitzumeinen“. Sie sollen überall dort, wo es um Familie geht, auch explizit ausgeschrieben werden. Im Arbeitsprogramm der Regierung wurde auf Wunsch der Grünen dieser Weg eingeschlagen (Arbeitsübereinkommen der Salzburger Landesregierung, Seite 36 und hier).

Summa summarum muss festgehalten werden, sowohl am Land als auch in der Stadt begegnen homosexuelle Menschen nach wie vor unglaublichen Vorurteilen und werden unverständlichen Diskriminierungen ausgesetzt. Und jeder/jede von uns kann und sollte seinen/ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Ungerechtigkeit endlich ein Ende hat.

 

Kimbie Humer-Vogl

Über Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, stv. Klubobfrau, Bezirkssprecherin der Grünen Tennengau - Sprecherin für Gesundheit, Soziales, SeniorInnen, Inklusion, Ehrenamt, Religion

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